Pflug von Walle

Homöpathie: Scharlatanerie oder echte Hilfe?

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Passend zum Weltkongress der homöopathischen Ärzte, bringen zahlreiche Medien aktuell Artikel heraus in einem Spektrum von wissenschaftlichen Ausarbeitung, dass Homöopathie nicht funktionieren könne bis hin zu Vorwürfen der Scharlatanerie der gesamten Homöopathie. Ganz so einfach ist es nicht.

Einen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die kleinen Zuckerkügelchen (Globuli), Salben und Tinkturen in einer messbaren und verifizierbaren Art und Weise wirken, gibt es bisher in keiner seriösen Studie. Die Frage ist doch eigentlich, ob soll ein Nachweis überhaupt erbracht werden kann.

Die Homöopathie

Die Homöopathie geht auf den deutschen Arzt und medizinischen Autor Christian Friedrich Samuel Hahnemann zurück. Im Kern der Lehren Hahnemann ist eine Krankheit nichts anderes als eine krankhafte Verstimmung des „Lebensprinzips“. Der Behandelnde hat diese Verstimmungen anhand der Symptome zu erkennen und zu beseitigen.

Die zentrale Grundannahme der Homöopathie ist das von Hahnemann formulierte Ähnlichkeitsprinzip. „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur). Ein homöopathisches Arzneimittel sollte entsprechend so ausgewählt werden, dass die Inhaltsstoffe der Grundsubstanz unverdünnt an Gesunden ähnliche Krankheitserscheinungen hervorrufen könnten wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemüthliche und geistige Charakter“ des Patienten berücksichtigt werden sollte01.

Dies Prinzip soll in der Praxis durch immer höhere Verdünnungen (Potenzierungen) der Grundsubstanz erreicht werden. Es leuchtet dem wissenschaftlich geprägtem Geiste ein, dass bei Verdünnungen von 1:50.000, keine biochemische Reaktion des Körpers auf die Arznei mehr möglich ist.

Warum Homöopathie trotzdem wirken kann?

Warum beschreiben dann viele Patienten von Homöopathen trotzdem gute Erfolge? Wie kann es sein, dass die Meinungen soweit auseinander gehen? Was wirkt da eigentlich?

Aus meiner Sicht ist klar: eine biochemische Wechselwirkung zwischen den Arzneien und dem menschlichen Organismus kann es nach unserem Erkenntnisstand von Wissenschaft und Technik nicht sein. Ich bin der Meinung, dass es drei weitere Wirkungen gibt, die wissenschaftlich nicht zu erfassen sind, aber zum Wirken der Homöopathie dazugehören und vielleicht sogar ihre Wirkung erst ausmachen.

Der Placeboeffekt, die Aufmerksamkeit und Anteilnahme des Therapeuten und die regelmäßigen Rituale sind meiner Meinung nach die eigentlichen Wirkmechanismen.

Über die Wirkung von Placebos wurde bereits genug berichtet, empfehlen möchte ich euch folgenden Artikel:

http://www.onmeda.de/medikamente/placebo_effekt.html

Der besondere Effekt

Wer heute einen Arztbesuch plant, wartet in der Regel lange und wird dann vom Haus- oder Facharzt meist innerhalb weniger Minuten untersucht und versorgt. Kommen dann noch uneindeutige Symptome hinzu, sind meist langwierige Untersuchungen und häufige Konsultationen eines Facharztes die Folge. In der ganzen Zeit sprechen die wenigstens Patienten mit ihren Ärzten über ihre Sorgen und Nöte. Anders bei homöopathisch ausgebildeten Ärzten oder Heilpraktikern. Diese nehmen sich, während der Untersuchung und Bestimmung der richtigen homöopathischen Arznei, viel Zeit und wollen dem Gemütszustand des Patienten auf den Grund gehen.

Darin  sehe ich einen der positiven Effekte. Jemand hört zu und versucht gemeinsam mit dem Patienten und nicht über ihn hinweg eine Lösung für das Problem zu finden. Gerade das aktive Zuhören und das Mitteilen von Sorgen und Nöten führt bei vielen von psychosomatischen Symptomen begleiteten Erkrankungen zu einer deutlichen Linderung.

Eine ähnliche Wirkungen haben regelmäßige Rituale, die den individuellen Leidensdruck, kurzzeitig ausblenden helfen. Die Einnahme von Globuli fällt sicherlich auch darunter. Denn es gelten eine ganze Reihe von Regeln und Anweisungen zu beachten. So müssen die Kügelchen abgezählt werden, dürfen nicht mit jedem Löffel verabreicht oder nur mit Wasser eingenommen werden. Über eine längere Einnahme entwickelt sich so ein kleines Ritual an der Hoffnung und Zuversicht geknüpft werden und so auch bei hohem Leidensdruck einen Augenblick der Ruhe verschaffen können.

Eine ausgeglichene Betrachtung ist wichtig

Mit würde es nicht in den Sinn kommen die Homöopathie als Scharlatanerie abzutun. Es gibt Mechanismen und Erfahrungen die aufzeigen, dass Homöopathie in bestimmten Situationen helfen kann die Schulmedizin zu unterstützen oder auch bei kleineren Wehwehchen Linderung zu verschaffen. Dafür sollte man offen sein und auch die wissenschaftlich messbare Wirkung aussen vor lassen.

Was mir zu wider läuft sind die echten Betrüger und Verbrecher, die behaupten, dass Homöopathie gegen Krebs und andere schwerste Erkrankungen helfen kann und der Schulmedizin überlegen wären. Dies kann nicht Sinn der Sache sein. Von solchen Angeboten kann man jedem nur getrost abraten. Wer aber unterstützend gegen chronische Schmerzen lieber Globuli statt Schmerzmitteln nimmt und diese ihm helfen, dann sollten wir uns darüber freuen.

Deswegen plädiere ich für eine ausgeglichene Betrachtung der Homöopathie keine Verteufelung, aber auch keine Anbetung. Irgendwo was dazwischen, im Einklang mit jedem Einzelnen.

 

 

 

 

  1. Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst. 6. Auflage []

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