Porträt Martin Luther

Warum wir heute frei haben? – 500 Jahre Reformation

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Warum haben wir heute eigentlich frei? Gestern habe ich über Halloween berichtet, jetzt gibt es einen Beitrag für die kirchlich veranlagten Leser unter euch.

Heute gibt es eine Besonderheit bei den gesetzlichen Feiertagen bundesweit. Eine einmalige Ausnahme von der Regel, der Reformationstag ist heute nicht nur regionaler sondern bundesweiter Feiertag anlässlich des 500 jährigen Jubiläums der sogenannten Lutherreformation.

Die Reformation

Wir alle haben mehr oder weniger intensiv in der Schule von den „Hammerschlägen“ an die Türen der Schlosskirche zu Wittenberg gehört oder gelesen. Martin Luther schlug seine 95 Thesen an. So ungefähr begann in der verbreitetsten Vorstellung die Reformation.

Historisch differenziert betrachtet ist die Reformation jedoch deutlich komplexer und ein jahrzehntelanger Prozess. Die Ursachen und Auslöser der Reformation reichen weit in die Geschichte zurück und die Auswirkungen haben nicht nur das geistliche Leben beeinflusst. Es gibt wenige historische Ereignisse die soviel Einfluss auf die Geschichte hatten, wie die durch Martin Luther angestoßene Reformation. Die Auswirkungen der Umwälzungen betraf viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und die Spuren der Reformation sind weltweit zu finden, auch nach 500 Jahren noch.

Die Ursachen

Die Reformation, aus dem lateinischen Erneuerung oder Wiederherstellung, ist nach heutiger Definition eine Erneuerungsbewegung im frühen 16. Jahrhundert, deren Vertreter in Deutschland von Martin Luther, in der Schweiz von Johannes Calvin und Huldrych Zwingli angeführt worden sind.

Um der Einordnung wegen, wird der Beginn der Reformation im allgemeinen Verständnis auf den 31. Oktober 1517 datiert. An diesem Tag soll der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses an die Kirchentür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben. Modernere Auffassung sehen keinen konkreten Beginn und zweifeln den eigentlich Thesenanschlag durch Luther an. Es wird eher davon ausgegangen, dass die Thesen durch den Buchdruck verteilt, von unbekannten Dritten an der Tür angebracht worden sind. Damals waren die Türen öffentlicher Gebäuden, wie unsere Schwarzen Bretter heute. Nach einer anderen Theorie soll der damals als Professor tätigte Luther einen seiner Bediensteten angewiesen haben ein Exemplar seiner 95 Thesen, wie damals üblich anschlagen zu lassen.

Die Ursachen und Umstände der Reformation reichen viel weiter zurück. In der Kirche der damaligen Zeit gab es eine zunehmende Verweltlichung in Verbindung mit einem oft wenig vorbildhafte Lebenswandel über alle Stände Geistlicher. Der Unmut der Bevölkerung richtete sich auch gegen die Käuflichkeit kirchlicher Ämter und sorgten für ein nahrhaftes Klima für die Kritik von Martin Luther. Häufig als vordergründige Ursache wird der Ablasshandel gesehen, mit dessen Einnahmen der Petersdom in Rom erneuert werden sollte. Diese Ausbeutung der Gläubigen ist viel mehr der „Tropfen der das Fass zum Überlaufen brachte“ und der Anstoß zur Reformation.

Die 95 Thesen

Martin Luther widerstrebte die damalige Praxis der Kirche den Menschen gegen Geld die Sünden zu erlassen. Für Luther war der Ablasshandel ein Missbrauch der Sorgen und Nöte der Gläubigen. Er forderte beharrlich eine Rückbesinnung auf die biblischen Grundlagen des Evangeliums. Nach seiner Meinung können Christen allein durch den Glauben an Gott von der Strafe nach dem Tode befreit werden. Die Abkehr von der Verdammnis des ewigen Fegefeuers ließe sich laut Luther nicht mit Geld erkaufen.

Die 95 Thesen Luthers beschäftigten sich daher ausführlich mit der Rolle der Kirche und wandte sich direkt gegen die Praxis des kirchlichen Ablasshandels. Er stand für eine Freiheit des Glaubens von der Kirche und des individuellen Bekenntnisses zu Gott.

Der aufkommende Durchbruch des Buchdruckes halfen dabei seine Texte zu vervielfältigen und massenhaft zu verteilen. Die Schriften Luthers konnten damit eine große Leserschaft erreichen.

Die 95 Thesen können hier nachgelesen werden.

Machtkampf zwischen Kaiser und Fürsten

Luthers Forderungen, die Kirche zu reformieren, trafen auf einen fruchtbaren Boden der Bevölkerung und den Nerv der Zeit. Sogar unter den Fürsten und den höheren Ständen gab es Vertreter, die hinter Martin Luther und seinen Ideen standen. Dort wo sie die Möglichkeit hatten, setzen sie seine Ideen in ihren Herrschaftsgebieten um. Der Einfluss und die Macht von Kaiser und Papst wurden geschwächt. Immer mehr Reichsstände nahmen die lutherische Reformation an und das Kaiserreich drohte in zwei konfessionelle Lager zu verfallen.

Der Augsburger Reichstag von 1530 war der erste Höhepunkt in der Debatte über die unterschiedlichen Positionen im Kaiserreich. Die Reformatoren oder auch seit dem Zeitpunkt als Protestanten als Anhänger Luthers versuchten sich an einer friedlichen Beilegung des Konfliktes und schlugen dem Kaiser Karl dem V. die Confessio Augustana vor. Darin wurde die religiöse Unabhängigkeit vom Papst eingefordert. Der Kaiser lehnte die Forderung ab. Die reformatorischen Fürsten verbündet sich daraufhin im Folgejahr zum Schmalkaldischen Bund als gemeinsames Schutzbündnis. Dieser Bund wurde im „Schmalkaldischen Krieg“ 1547 bei der Schlacht bei Mühlberg von den kaiserlichen Truppen zerschlagen.

Erst der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden von 1555 brachte einen vorübergehenden Frieden zwischen den Fürsten und dem Kaiser. Im Zentrum stand eine Vereinbarung nach der jeder Fürst die Konfession für sein Herrschaftsgebiet selbst wählen durfte.

Folgen der Reformation

De facto wurden die Lehren und das Bekenntnis Luthers in Augsburg anerkannt und die Integration der Protestanten zurück in den Schoß der katholischen Kirche galt als gescheitert. Aber auch die Reformbewegung die Luther ausgelöst hatte spaltete sich aufgrund unterschiedlicher Lehren in verschiedene protestantische Konfessionen auf.

Die ursprünglich von Luther als innere Veränderung der Kirche gedachte Reformation gegen die zahlreichen Missstände führte letztendlich zu einer von Luther nicht beabsichtigten Spaltung der Kirche. Genauso zu einer Spaltung der deutschen Gebiete in katholische und protestantische. Die lutherische Reformation veränderte nicht nur Kirche und Theologie, sie setzte auch eine umfangreiche gesellschaftspolitische Revolution in Gang: Musik und Kunst, Wirtschaft und Soziales, Sprache sowie Recht und Politik – kaum ein Lebensbereich blieb von der Reformation unberührt.

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit dem Leben von Martin Luther.

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