Cannabidiol und Tetrahydrocannabinol

TetrahydrocannabinolStrukturformel vonTetrahydrocannabinol ( IUPAC: (6aR,10aR)-6,6,9-Trimethyl- 3-pentyl-6a,7,8,10a-tetrahydro- 6H-benzo[c]chromen-1-ol )

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Cannabidiol und Tetrahydrocannabinol
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In einem Kommentar zu meinem Standpunkt gegen die Legalisierung von Cannabis wurde ich gebeten die Wechselwirkungen von Cannabidiol (kurz CBD) Tetrahydrocannabinol (kurz THC) näher zu erklären. Ich will versuchen, diesen hoch komplexen Teil des Hirnstoffwechsels einfach und anschaulich zu erklären.

Für die ungeduldigen Leser gibt es eine Zusammenfassung: CBD wirkt antagonistisch, d.h.: gegenteilig zu THC, also wirkungsmindernd01. Beide Stoffe kommen in der Hanfpflanze vor. Das Verhältnis zu einander ist abhängig von Pflanzenteil, Züchtung und Wachstumsbedingungen. Bei hochpotenten Züchtungen, vorallem auch den Blütenständen, ist der Anteil von CBD sehr gering. Die Gefahr von THC induzierten Psychosen steigt beim Konsum dort entsprechend stark an.

Cannabidiol

Cannabidiol

Strukturformel von Cannabidiol ( IUPAC: 2-[(1R,6R)-3-Methyl-6-prop-1-en-2-yl-1-cyclohex-2-enyl]-5-pentylbenzo-1,3-diol )

CBD stammt aus dem weiblichen Hanf und kommt hauptsächlich in Cannabis sativa und indica vor. Als schwach psychoaktives Cannabinoid wirkt es entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gegen Nausea02. In aktuellen Studien wird die antipsychotische Wirkung erforscht und erste Zwischenergebnisse scheinen die pharmakologisch antigonistische Wirkung gegenüber THC zu bestätigen03.

Tetrahydrocannabinol

Tetrahydrocannabinol

Strukturformel von Tetrahydrocannabinol ( IUPAC: (6aR,10aR)-6,6,9-Trimethyl- 3-pentyl-6a,7,8,10a-tetrahydro- 6H-benzo[c]chromen-1-ol )

Reich an THC sind beim weiblichen Hanf, die unbefruchteten Blütenstände (bis zu 20%), die Blätter nahe der Blüte weisen noch bis zu 6% und die restlichen Pflanzenteile bis zu 1% Gehalt an THC auf. Die Samen der Pflanzen enthalten kein THC.

Die Konzentrationen von THC und CBD verhalten sich antiproportional zueinander, daher ist die Konzentration von THC in Cannabis sativa höher als in in Cannabis indica.

Pharmakologisch bewirkt THC in der Regel erhöhtes Wohlbefinden und Entspannung mit einer Intensivierung von sensorischen Eindrücken, sowie Angst- und Panikattacken, eine schnellere Herzfrequenz und ein erhöhter Blutdruck.

Schaut man sich die hauptsächlichen Wirkungen von CBD und THC an, so kann man feststellen, dass CBD maßgeblich sedierend und THC aktivierend wirkt. Dies kann als erster Hinweis auf die antagonistische Wirkung an den gleichen oder ähnlichen Rezeptoren im Gehirn verstanden werden.

Vereinfacht: THC kann Heißhunger verursachen, CBD hemmt den Appetit.

Die gegensätzliche Wirkung auf den Appetit ist zwischen THC und CBD gut durch verschiedene Studien belegt. Beide Stoffe scheinen also an den gleichen Rezeptoren zu wirken, aber jeweils mit gegenteiliger Art. Daraus wird u.a. abgeleitet, dass die Rezeptoren die von THC angesprochen werden und in Verdacht stehen bei dem Auslösen von Psychosen im Gegensatz dazu von CBD gehemmt werden können.

Zusammenfassend kann also angenommen werden, dass Cannabis mit einem höheren CBD Gehalt weniger Psychosen auslöst als z.B. Blütenstände von Hochleistungszüchtungen deren einzigstes Ziel es ist einen möglichst hohen THC Gehalt zu erreichen.

Laut Europäischen Drogenbericht von 201405 verschiebt sich das Verhältnis der auf dem Markt befindlichen Cannabis Produkte zusehens hin zu hochpotenten THC Trägern.

Meiner Meinung nach ist es nicht nur auf Grund dieser Entwicklung, aber eben gerade deshalb sehr gefährlich den Konsum von Cannabis zu verharmlosen. Natürlich gibt es Argumente dafür, aber eben auch verdammt viele dagegen

 

 

  1. Di Forti M, Morgan C, Dazzan P, et al. High-potency cannabis and the risk of psychosis. The British Journal of Psychiatry. 2009;195(6):488-491. doi:10.1192/bjp.bp.109.064220.| http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2801827/ []
  2. Mechoulam, R., Peters, M., Murillo-Rodriguez, E. and Hanuš, Lumír O. (2007), Cannabidiol – Recent Advances. Chemistry & Biodiversity, 4: 1678–1692. doi: 10.1002/cbdv.200790147 []
  3. Zuardi, A.W., Crippa, J.A.S., Hallak, J.E.C., Moreira, F.A., & Guimarães, F.S.. (2006). Cannabidiol, a Cannabis sativa constituent, as an antipsychotic drug. Brazilian Journal of Medical and Biological Research, 39(4), 421-429. https://dx.doi.org/10.1590/S0100-879X2006000400001 []
  4. Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F. & Starke, K. (2005). Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie (9. Aufl.). München: Urban & Fischer []
  5. http://www.dbdd.de/images/EDR_2014/edr_de.pdf  []

Über den Autor

Timo Hörske
Jahrgang 1985, als "Ossi" geboren, im beschaulichen Premnitz an der Havel aufgewachsen. Natur- und Kunstliebhaber. Seit über 10 Jahren Wahlbremerhavener, Küsten- und Windfan. So ziemlich an Allem interessiert. Schwerpunkte sind aber eindeutig Politik, Gesellschaft, Rechtswesen, Natur und Technik. Rotes Parteibuch, Mitglied des Jugendhilfeausschusses der Stadt Bremerhaven, Vorstandsmitglied der SPD Ortsvereins Bremerhaven Mitte. Freizeitblogger, Techniknerd.

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