Pflug von Walle

90 Jahre „Pflug von Walle“

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Am 09.07.1927 wurde der, archäologisch auf min. 3.500 Jahre geschätzte, Pflug von Walle gefunden. Der „Pflug von Walle“wurde im ostfriesischen Walle bei Aurich beim Torfstechen entdeckt. Dieser ist der bisher älteste bekannte Pflug Deutschlands und einer der wenigen archäologischen Funde dieser Art in Europa. Die Finder waren Jann Hanßen und seinem Sohn Heye, die den Pflug an der Unterkante einer 1,7 m tiefen Torfschicht gefunden hatten. Als Finderlohn erhielt Jann Hanßen 50 Mark, die er mit dem Grundstückseigentümer Weinstock teilen musste.

Das archäologische Fundstück „Pflug von Walle“

Pflug von walle.jpg
By Jürgen Wieckmann (Jürgen Wieckmann) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der lange Teil des Pflugs, also Pflugbaum bezeichnet, wurde aus einem Eichenast gefertigt und ist ca. 3 Meter lang. Der eigentliche Pflug (Pflugschar) war im Original wahrscheinlich 60 cm breit.

In einer viereckigen Bohrung des Schar steckte der mit Holzstifte verkeilte Sterz. Der vordere Teil des Pflugs fehlt, weil der Pflug beim Stechen des Torfs in viele Einzelteile zerlegt worden war.

Eine erste Datierung wurde bereits im Fundjahr durch eine erste, vor Ort genommene Pollenprobe durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass der Pflug möglicherweise in die beginnende Bronzezeit datiert werden kann. Nimmt man die relativ weit entwickelten Form des Pfluges als Hinweis hinzu, ist jedoch auch eine spätere Datierung in der jüngeren Bronze- oder der frühen Eisenzeit möglich.

Das Alter

Der „Pflug von Walle“ zählt zur Form der sogenannten Hakenpflüge. Diese Art ist bekannt aus Funden des Neolithikums, der Bronzezeit und der Eisenzeit. Die Art der Form sowie die Beschaffenheit des Materials ist aus hallstattzeitlichen, etruskischen, griechischen und römischen Darstellungen bekannt. Das sich der Hakenpflug durchgesetzt hat zeigt sich u.a. im Mittelmeergebiet, denn dort war diese Art bis in die Moderne in Verwendung.

Nach den modernen wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es Vermutungen, dass der Pflug über die Wintermonate im Moor versenkt wurde. Ziel war es das Holz haltbar zu machen. Die Versenkung von Werkzeugen im Moor war damals eine gängige Methode.

Seit 1937 bis heute befindet sich der „Pflug von Walle“ im Landesmuseum in Hannover. Grund hierfür ist es, dass das Original von Anfang an unter einem starken Zerfall zu Leiden hatte.

Im Landesmuseum wurden neben der Konservierung auch weitere Messungen zur Datierung vorgenommen und konnten das Alter des Pflugs inzwischen in die frühe Bronzezeit (1940 bis 1510 v. Chr.) einordnen.

Wer sich für den Pflug interessiert, kann sich eine Nachbildung im Historischen Museum in Aurich anschauen. In Walle (Aurich) befindet sich in der Nähe des Fundortes ein Gedenkstein.

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